praschl, 3. August 2005, 23:09
scary.
ich habe nicht mitbekommen, ob von dieser geschichte in der deutschsprachigen blogosphäre schon die rede war - falls ja, sorry.
eine new yorker journalistin hat ein kindermädchen, das ein weblog schreibt und die journalistin auf ihr weblog aufmerksam macht. die journalistin liest, immer verwirrter, immer obsessiver werdend, das weblog des kindermädchens, das sie beneidet, ablehnt, verachtet, fürchtet, unheimlich findet, von dem sie sich beobachtet fühlt, wie sie ihrerseits das kindermädchen zu belauern beginnt. was schreibt sie über mich, über meine ehe, mein leben? was schreibt sie über sich, ihr leben? was schreibt sie über die kinder? usw. usf. irgendwann erträgt die journalistin das weblog ihres kindermädchens nicht mehr - und lässt es feuern, von ihrem mann, der das weblog nicht erwähnt. und dann setzt sie sich hin und schreibt einen langen artikel, den die new york times veröffentlicht. das kindermädchen fühlt sich - nicht zu unrecht - bloß gestellt, sensationalistisch zusammengepuzzelt, auch gehetzt, protestiert bei der zeitung, findet kein gehör, schließt ihr weblog, will fortan nur noch "anonym" webloggen.
das weblog:
instructions to the double
der nyt-artikel:
helaine olsen: the new nanny diaries are online
ein text im guardian onlineblog:
The mum, the nanny, her blog and some others
ein text in der village voice:
nanny v. ninny
ein text in blinq, einem weblog des philadelphia inquirer:
the revenge of the nanny
am 3. August, 23:33 kommentierte
cursor:
Die Leute reden viel zu viel
Klartext in Weblogs, das nervt mich sowieso. Internet ist doch Theater, da muss man spielen, inszenieren, unterhalten...
am 4. August, 00:36 antwortete jeanluc:
Wieso bloggt man geheime Sachen öffentlich?
Weiß auch nicht, das Problem hatten wir ja schon mal bei Job-Bloggen. Ich kann mir das nicht als angenehm vorstellen, wenn mein Kindermädchen intimes über mich im Web herumtratscht.
am 4. August, 00:39 antwortete
Irene:
Andererseits scheint das Blog den Damen ganz recht zu sein, um sich über das Privatleben der Dienstboten schlau zu machen, so lange die Herrschaft nicht drin vorkommt.
am 4. August, 15:45 kommentierte
supatyp:
weblog für Dich
(2006), erster film über webloggen, mit meg ryan (angefragt) und ohne tom hängs (abgesagt, blogmüde)
am 4. August, 16:22 antwortete
schmerles:
Traumrolle für Scarlett Johansson im Thriller the nannyangst. meg ryan ist zu alt für sowas.
am 4. August, 16:26 antwortete
supatyp:
meg ryan is doch die
die das kindermädchen feuert! Sie haben nich viel ahnung im kinno, glaub ich
am 5. August, 10:54 antwortete
schmerles:
Und Sie im Kinder kriegen. Die ist doch schon viel zu alt!
PS. Alles Gute Ihrer Tochter!
am 4. August, 15:48 kommentierte
micro_robert:
Ah, die Verschriftlichung von Alltagskonflikten.
am 4. August, 16:16 antwortete
praschl:
ich weiß nicht. wenn man den nyt-artikel und die antwort im weblog liest (statt nur die zusammenfassungen, auch meine), ist das so viel mehr, und die alltagskonflikte sind gar nicht mehr wirklich welche, jedenfalls keine, die ausgebrochen wären, das geht alles über banden des schreibens, lesens, nachlesens, miteinander vergleichens. es sind texte, die einander zu nahe kommen, nicht menschen, das ist das für mich seltsame und unheimliche daran.
am 5. August, 11:13 antwortete
micro_robert:
Ja, es ist subtiler. Das stimmt. Die Statements stehen nicht nur im Raum, sie gehen nicht weg. Ich denke mir oft, wie weit die Blogs auch die Intimsphäre ausdehnen.
am 5. August, 21:45 kommentierte
mutant:
eine
so schaebig wie die andere, wuerde ich mal sagen. die hatten sich verdient.