Immo, 28. Dezember 2003 01:36:01 MEZ

Zumüllende Weblogs

Zugegeben, man hätte diesen Artikel im Spiegel im hier formulierten Sinn besser einleiten können. Es ist natürlich klar, dass der Autor des Textes damit vor allem Territorium verteidigen will. Ebenso klar ist, dass es in der Blogosphäre darauf entsprechendes Echo gibt und noch geben wird, wie ebenso klar ist, dass auch dieses Echo aus reiner Renitenz besteht, welche die dort gefällte Aussage - "nachdem Millionen von Weblogs das Internet zugemüllt haben" - umschreiben in "Weblogs produzieren zwangsläufig nur Müll" (was in der Form natürlich nicht im Text zu lesen ist).

Ich frage mich aber ehrlich gesagt - nicht unbedingt als Blogger, sondern eher als Mensch, der sich eben auch viel mit Blogs beschäftigt - , ob der Autor nicht doch irgendwo ein kleines Quentchen Wahrheit ausspricht. Zweifellos: Weblogs sind eine tolle Sache (sonst wäre wohl keiner von uns hier). Aber: Ist die Perspektive nicht auch, zwangsläufig, ziemlich eingeengt, das Phänomen somit verzerrt wahrgenommen? Sind schließlich Weblogs als solche deshalb eine tolle Sache, weil ich ein paar aus meiner Blogroll gerne lese?

Denn wenn ich mich so umschaue, dann sind doch die meisten Weblogs bestenfalls banal (weswegen ich die meisten ja auch nicht bei mir verlinke!), Marke Stuhlgang-Report. "Heute war ich auf dem Klo, ein großer Haufen." Oder aber eben auch "Frohe Weihnachten allen, die das lesen." Wenn ich mich durch die "recently updated"-Lists der zahllosen Anbieter durchklicke, dann komme ich schnell zum Schluß: Die Weblogwelt besteht nicht aus lauter coolen Typen, immer auf der Suche nach dem heißen Scheiß, wahrhaftigen Kreativgranaten in Sachen Kommentar, Reflektion, Berichterstattung, Kunst. Nein. In ihrer Gesamtheit stellt sich die Weblogwelt als so spannend wie der alljährliche Weihnachtsschmuck im Fenster des Nachbarn nebenan dar. Von dieser Warte aus gesehen hat der 'Piegel vielleicht gar nicht so unrecht, wie man aufdenschlipsgetretenerweise zunächst gegenargumentieren mag.

Natürlich: Es soll damit nicht gesagt sein, was bloggenswert ist und was nicht. Auch weiterhin soll geschehen, was eben geschieht. Und Weblogs sind nicht an sich schlecht oder Müll oder ähnliches. Manche sind eben aufregend, spannend, inspirierend, witzig, informativ oder sonstwie lesenswert. Doch die allermeisten sind auf rein persönlicher Ebene eben so prickelnd wie allährliche Weihnachtskartenfloskeln von Tante Trude.

Was nun aber ist der Begriff, den man sich von Weblogs macht, warum man sie irgendwie "gut" findet. Ist es das grundanarchische Lebens- und Bloggefühl? Ist es das zufriedenstellende Gefühl, ein paar äußerst interessante Blogs aufgetan zu haben, die vielleicht sogar das Leben bereichern? Oder sind es alle Weblogs - alte, neue, etablierte, unbekannte - zusammen, de ein großes Bild ergeben? Hat die letztgenannte Perspektive Geltung, so bin ich gewillt, der Einleitung im Spiegel beinahe zuzustimmen (wenngleich mir die Wortwahl missfällt, weil die Benennung beinahe schon den Ruf nach ordnenden Instanzen mitbeinhaltet). Vielleicht identifiziere ich mich auch einfach zu wenig mit dem Begriff "Weblogs", dass ich nicht gleich in (reflexartige?) Vonsichweisungen verfalle: "Wie kann der nur schreiben, dass ..."

Paar Gedanken halt, zu einem kurzen Satz und dem hier und da schon vernehmbaren Echo. zu später Stunde vielleicht etwas ungeordnet, aber vielleicht ist ja doch was dran.
Ihr kommentar    


am 28.12.03 02:04  kommentierte DonDahlmann

Ob man sich über solche Dinge aufregen will oder nicht, hängt wohl auch mit der Frage zusammen, ob man sich einer "Szene" zu rechnen will oder nicht. Und dann muss man sich vorher die Frage stellen, ob es sowas wie eine Szene überhaupt gibt. Ist man, nur weil man ein Blog bei Antville hat, in einer Szene? Oder stellen die Blogs eine Gemeinschaft dar, die in den meisten Blogrolls vertreten sind? Und was soll das bedeuten? Doch nur, dass man die Erzeugnisse von einer Reihe von Leuten gerne liest. Aber das variiert ja nun auch wieder je nach Geschmack. Es gibt Menschen, denen einer abgeht, wenn sie den Schockwellenreiter lesen, manche schreien vor Glück, wenn es was neues beim Pasta-Log gibt. Alles eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise. Daraus einen Glaubenskrieg zu entwickeln ist sinnlos und ermüdend wie jede Diskussion um Ideologien. Ich halte nichts davon. Ebensowenig ein Blog-Dogma aufzustellen. Was an meiner Abneigung gegenüber jeder Art der Festlegung und Selbstbeschränkung liegen mag.
Ich kann niemanden daran hindern Sachen ins Netz zu stellen, die ich zum Kotzen finde. Ich kann auch niemanden daran hindern Klamotten zu tragen, die mir Tränen in die Augen schießen lassen. Aber im Gegensatz dazu, kann ich mich bei schlechten Blogs sehr leicht wehren, in dem ich sie einfach nicht mehr anklicke.

Aber natürlich ist es schon so, dass hier bei Antville die coolen Kinder spielen.
link


am 28.12.03 02:55  kommentierte Irene

zugemülltes Internet

Dieses Bild für Weblogs ist grundsätzlich schief: Weblogs verstopfen ja nicht irgendwelche Datenautobahnen, sondern liegen auf Servern und werden nach Bedarf abgerufen.

Diejenigen Weblogs, die dem rein privaten Austausch dienen, sind halt nur für die aktiv Beteiligten interessant. Wie der Plausch mit dem Nachbarn am Gartenzaun, vielleicht auch wie Brieffreundschaften zu mehreren. Wo ist das Problem?

Wer erwartet, dass Weblogs das coole Ding sind, nur weil er selbst ein Weblog führt und sich sehr cool findet, nimmt sich zu wichtig.

>>> Denn wenn ich mich so umschaue, dann sind doch die meisten Weblogs bestenfalls banal (weswegen ich die meisten ja auch nicht bei mir verlinke!) <<< - Sie machen mir Spaß....
link


@Irene

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sie mich falsch verstehen (wollen?). Ein Problem, nach dem Sie fragen, liegt doch nicht vor, die Möglichkeit eines solchen im von Ihnen eräwhnten Sinne wurde noch nicht mal in den Raum gestellt. Denn wie ich bereits schrieb: Es geht nicht darum, die Welt der Blogs in gute und blöde Blogs einzuteilen, noch irgendwelche entsprechenden Lager auszurufen. Es ging mir allein um die Perspektive, die bei (vielen?) Bloggern auf das Phänomen "Weblogs" zu bestehen scheint: Wie kommt es denn schließlich, dass quasi im Reflex ein solcher, wie ich ja schon schrieb, sicher vermeidbarer und auch im eigenen Sinne anders und eben auch weit besser formulierbarer Satz ein derart renitentes Echo nach sich zieht? An was denken "wir", wenn wir "Weblogs" hören und intuitiv damit "gut" assoziieren und entsprechend "aufmucken", sollte das jemand mit "schlecht" assoziieren? Denkt man da an die eigene Blogroll? Denkt man an die Gesamtheit aller Weblogs? Denkt man an die zugrunde liegende Möglichkeit des schnellen, kostengünstigen Publizierens?

Ich bezweifle im übrigen, dass "die meisten Weblogs" von denen ich im Zitat sprach, ihnen Spaß machen. Lesen Sie wirklich "die meisten Weblogs (dieser Erde)"? Und darauf wollte ich hinaus: Auf rein persönlich-individueller Ebene sind "die meisten Weblogs" (und damit meine ich eben: nahezu alle, die es gibt) eben noch egaler als egal (weil: sonst würde ich und vermutlich auch andere sie alle lesen). Klicken Sie sich doch mal durch weblogs.com und behaupten danach noch, dass das meiste dort Ihnen Spaß macht (von auch nur irgendwie innerlich berühren mal ganz abgesehen).

>>> ... nimmt sich zu wichtig.<<< - Wie gut deshalb, dass keiner eine solche Erwartung formuliert hat. Da sich hier allzu offenbar keine für zu wichtig nimmt, können wir ja normal weiter diskutieren.
link  


@ Immo

Mich interessiert die Mehrzahl der Weblogs ebenfalls nicht (aus unterschiedlichen Gründen übrigens). Das ist für mich aber noch kein Grund, all diese Weblogs gleich mit Scheiße zu assoziieren und womöglich so zu tun, als wäre Qualitiät ausschließlich auf meiner eigenen Blogroll zu finden.

Ich weiss jetzt nicht, worüber Sie noch diskutieren wollen. Darüber, dass sich manche Leute angepisst fühlen, wenn über eine Gruppe, der sie selbst angehören (Weblogger, Bayern, Frauen, Männer, StudentInnen, Hausfrauen...) negative, undifferenzierte Urteile gefällt werden? Kein spannendes Thema, finde ich.

Und ich selbst assoziiiere mit Weblogs nicht automatisch "gut", sondern auch Klatsch, Wichtigtuerei, Stammtischgepolter.... oder auch Kontaktpflege, Selbstmarketing, Business Networking und noch einiges mehr.
link  


Nachtrag

Ich hab die teils nervigen, teils amüsanten Sinnlosdiskussionen vergessen. Und das hier....!
link  


@Irene

Nun, mit "Scheiße" habe ich sie ja auch nicht assoziiert. Mir ging es von vorneherein um die Wahrnehmung des Phänomens "Weblogs", die ja wiederum das Verhältnis dazu bestimmt. Und ich finde es eben interessant, wie so ein Sätzchen im 'Piegel bei manchen Bloggern entsprechende reaktionen hervorruft. Ganz eben so, als wären Blogs "das coole Ding". Darüber wollte ich, nun, vielleicht nicht unbedingt diskutieren, sondern eben mal die Gedanken streifen lassen (womit ich Ihren zweiten Absatz hoffentlich ebenfalls beantwortet habe :) ). Weil (um es vielleicht etwas von diesem Fall zu abstrahieren): Der Begriff, den man sich von dem Wort "Weblogs" macht, ist ja auch Basis aller Diskussionen etwa hier in diesem Blog, wo es ja um nichts anderes, als um unser Wissen über Blogs geht.

Ich selbst assoziiere das im übrigen auch nicht automatisch so, unterstelle das aber anderen, die einer sehr eindimensionalen Eingleisung quasi das ebenso eindimensionale Negativ entgegen stellen.
link  


am 28.12.03 10:13  kommentierte herr k.

Unser täglich Superblog gib uns heute

denn wir sind die Elite,
und Masse ist nur schiete.

Es gibt Klebeetiketten, die rückstandsfrei ablösbar sind und andere haften, dass auch erfahrene Knibbeler beim Entfernen an Grenzen kommen.

So ist das mit den Bewertungen und Meinungen auch: mir gefallen die wieder ablösbaren zumeist am besten.
link


am 28.12.03 10:17  kommentierte fernsehratgeber

zwei dinge

  1. gibt es weblogs, zeitschriften, zeitungen, fernsehsendungen, schokoriegel, häuser und bücher, die alles zumüllen. und nur weil ich irgendeinen schokoriegel gut finde oder irgendein haus selbst gebaut habe, muss mich eine solche aussage nicht grundsätzlich verstören. und dass der artikel schlecht ist, merkt man auch an anderen dingen (zum beispiel wegen einer sicherlich flatterhaften recherche)
  2. bietet die in dem artikel beschriebene technologie einen wirklich interessanten ansatz, für eine art ähem... localblogging. verschiedene menschen bloggen zu einem ort interessante (oder weniger interessante) texte, die man direkt vor ort lesen und kommentieren kann (und allenfalls noch auf einer virtuellen landkarte). Das wäre doch eine wirklich interessante Möglichkeit zu schauen, wo die wirklich coolen Kinder spielen ((und wer wen wo gef*** hat)
    (Was allerdings eine Filtermöglichkeit erforderlich macht, um den Quatsch auszusortieren))
achja: und der mann hat einfach defekte selektionsmechanismen. er schreibt weblogs für sich selbst eine bedeutung zu, die sie für ihn nicht haben dürften. insofern empfände ich manche spiegel-auslassungen als sonderdeponiebedürftig, aber ich ignorie den beißenden geruch und grase mit meinen erwartungshaltungen lieber woanders.
link


am 28.12.03 11:21  kommentierte jeanluc

Unsinn

Weblogs müllen genauso rum wie Spiegelseiten oder andere Internet-Angelegenheiten.
Für mich ist das Müll, was micht nicht interessiert, aber es tut gar nicht weh, so lang sich keiner dafür interessiert - so ist Internet, jeder nimmt sich, wozu er lust hat.

Gibts jetzt Server-Verbrennung wie beim Hitler für minderwertige Daten?

So mal lesen, was der Spiegelvogel eigentlich will...

okay
watten sackgesicht. die paar buchstaben ausm handy jetzt als last des internets darzustellen. was geht mit den milliarden sms, die durch die luft schwirren und meinen atem stören.

oh man, der soll stecker ziehen und zeitung kaufen gehen, echt eyh.
link


am 28.12.03 18:29  kommentierte flowilu

Das Neueste von vorgestern

Ich bin auch einer von denen, die das Web mit Blogs vollmüllen. Das Dumme an dem Artikel ist, dass solche Pauschalurteile im Meinungsmacher Spiegel von vielen übernommen werden. Weblogs kann man also vergessen, sind eh nur Tagebücher.
Das mit der ortsbezogenen Handy-Notiz stand übrigens vor eineinhalb Wochen schon in futurezone.orf.at
Ich hab das auch gebloggt. Blog-Leser wissen mehr!
link


man muss den spiegel affen wenigstens die gleiche arroganz

zugestehen wie den weblog affen ,wenn man das denn unbedingt getrennt haben möchte.
link  


ich weiß nicht

sind Weblogger wirklich an Arroganz zu erreichen, oder gar zu übertreffen? Ich denke nicht.
link  


weblogger sind bessere warzen wie woanders

naja, das muß auch mal sein, daß blogger verhohnepiepelt werden. das ist wichtig, wall alleine finden die sich zu gut.

das ist auch alles ganz egal.

viel auffälliger ist, daß der tüp versucht, informationen in gut und böse zu unterteilen! aber das ist gar nicht im sinne des erfinders.

obwohl, wen interessiert dat?
link  


Ich brauch antville nich - antville braucht mich!
link  


haha

sehr gut.
Niemand hier brauch irgendwen, oder was und umgekehrt, hoffe ich doch.
link  


am 29.12.03 16:42  kommentierte AnnekeW

ich frage mich ja immer

was denn das internet vollmüllen sein soll? wenn ich hier in die staatsbibliothek gehe, so finde ich ca. 2,5 mio bücher, von denen mich nur ein bruchteil interessiert und es handelt sich mitnichten bei allem um hochliteratur oder wissenschaftliche abhandlungen. wurde die staatsbibliothek vollgemüllt? über das öffentliche telefonnetz finden pro tag ebenso eine große anzahl an privaten, möglichweise nicht sehr interessanten gesprächen statt (die ressourcen verbrauchen!). wurde das telefonnetz zugemüllt?

wenn Sie nun darauf hinauswollen, dass blogger nicht in jedem fall coole, arschgeile säue sind, so stimme ich ihnen da zu, aber wer hat denn die behauptung aufgestellt, dass sie das sein müssten?
link


danneke

anneke .>)
link  


weblogschreiben ist wie den kölner dom aus streichhölzern zu bauen. einfach so.
link  


Widerstand gegen Effizienzgehabe

Wie drei Stunden lang ein Butterbrot schmieren.

Aber genau das ist es ja, was mich so begeistert: diese enorme Ratlosigkeit. (Gerhard Polt)
link  


haha, schöner text vom herrn polt, dem schlitzohr, dem elendigen.

für mich wird es immer dann spannend, wenn ich leidenschaft spüre - der modelleisenbahnbauer z.b. fragt sich nicht, ob die welt nicht womöglich schon mit modelleisenbahnen zugemüllt ist. vor kurzem habe ich deshalb hier in der stadt den eisenbahnclub besucht, und mich mit einem mitarbeiter eines großen automobilkonzerns unterhalten, der mit seinen händen, deren finger die abmessungen von jeweils zweien meiner hatten,



mikroskopische kleingartenkolonien assembliert, und leuchtende augen hatte, als er auf alle besonderheiten seiner installation aufmerksam machte. diese ausschließlichkeit, das gefangengenommensein von einer sache, das ist die essenz.

mein höchstgeschätzter handwerkerkollege baut sich gerade eine konzertgitarre, nachdem er seinen professionell gemauerten und geschweißten holzbackofen fertiggestellt hat. dazu mußte erstmal eine thermostatgesteuerte klimakammer für die holztrocknung gebaut werden, warum nicht. der wäre ein weblogschreiber nach meinem geschmack.
link  


Leidenschaft Eisenbahn

Neulich von einem Journalisten gehört, der nach dem Volontariat für eine Zeitschrift über Modelleisenbahnen gearbeitet hat. Dann hat er sich zum Lokomotivführer umschulen lassen...

Wird Zeit, dass ich mir eine Digitalkamera kaufe und damit auf Kaninchenausstellungen gehe. Eine Welt, die in ganz ähnlicher Weise belächelt wird wie die der Modelleisenbahner....
link  


weitere arbeitsfelder:
link  


ihre beispiele haben eins gemein :

man findet in diesen bereichen leute die sich freuen andere mit gleichen interessen zu finden ,es gibt kaum etwas was menschen mehr spass macht als gemeinsamkeiten mit gleichgesinnten.
so ist das auch bei weblog-und spiegelschreibern/lesern.
und auch der selbsternannte kanickelspezialist schaut genau was die anderen laien oder spezialisten da veranstalten.
link  


@Anneke

Nein, darauf wollte ich nicht als einzelnes hinaus. Mir ging es auch nicht um "Effizienzgehabe" (falls Irene das mir mit ihrem kurzem Posting unterstellen sollte) oder dem Ruf nach Effizienz. Mir ging es um das, was ich weiter oben schon geschrieben habe, was zu wiederholen ich mir effizienterweise erspare (was ein Kalauer!).
link  


jepp, 100%. wo ist mein rudel?
link  


Ich

lese im übrigen auch am liebsten Weblogs mit spürbarer Leidenschaft. Ob die nun effizient sind, innovativ, was auch immer - herzlich egal. Sowas ist eben das, was ich ganz oben mit "auf persönlicher Ebene" umschrieb, aber offenbar als generelles Urteil (als ob das möglich oder wünschenswert wäre) wahrgenommen wurde.
link  


@immo

wenn die frage darauf abzielte, warum man denkt, dass weblogs schön sind, dann würde ich sagen: ja, es liegt an den blogs in der blogroll, die einem ans herz gewachsen sind. aber auch an den streifzügen, die man vielleicht ab und zu unternimmt und bei denen man durchaus noch überrascht werden kann. und an dem wissen, das die "schlechten" blogs vielleicht für 10 oder 20 oder wasweissichwieviele andere das zentrum der geschichte sind. und das ist zumindest für mich das schöne an weblogs als ganzes (wenn man das so sagen kann): das auf jeden deckel ein topf passt. und natürlich habe ich schon blogs getroffen die mich angeödet haben, dann aber festgestellt, dass die durchaus eine leserschaft besitzen. und wenn nun der schreiber zufrieden ist und die leser zufrieden sind... so what? und der eindruck von dem, was blogs sind liegt natürlich im indviduellen leseradius. wieviele blogs liest man denn schon regelmäßig? wieviele blogs überhaupt jemals?

was anderes (irgendwie auch hierzu): das liegt aber - glaube ich - auch so ein bißchen an einer "fastfoodmentalität". manche blogs brauchen zeit, um sich zu entwickeln. und manchmal braucht man zeit, um sich an sie heranzutasten. ich glaube nicht, dass sich viele leute diese zeit überhaupt nehmen...
link  


am 29.12.03 17:54  kommentierte etcpp

Gerade eben erkannt, dass die Weblogs, die ich am gernsten hab, in der Mehrzahl sowieso von Profis stammen, Menschen, die mit Ihrer Kreativität Geld verdienen, die das Denken und Schreiben gelernt haben, es beherrschen. Vollkommen desillusionierend.
link


was daran wäre desillusionierend?
(& Sie ja übrigens auch)
vielleicht hilft Ihnen die vermutung, dass jedenfalls schreiben (übers denken müsste ich erst noch nachdenken, jedenfalls das vom schreiben getrennte denken), dass schreiben also so etwas wie eine existenzweise ist, und dass leute, die diese existenzweise gewählt haben (als ob sie eine wahl gehabt hätten), in dieser rätselhaften gesellschaft schnell einmal profis werden und geld verdienen, aber möglicherweise schreiben sie weblogs nur, weil ihnen das profisein und geldverdienen ganz entsetzlich auf den geist schlägt und ihnen die existenzweise vermiest & so haben sie sich, manche jedenfalls, veirrt in diese weblogwelt hinein, und jetzt: in derselben welt mit leuten, die gleich wieder profis sein wollen und geld verdienen und all das. & nicht, dass Sie das jetzt missverstehen: mir jedenfalls ist die existenzweise schreiben höchst verdächtig, keine glorifizierungen.
link  


@ praschl

Hätte »Desillusionierung« gerne verdeutlicht, wenn es nur ginge, ist eine sehr persönliche Desillusionierung, dennoch und versuchsweise.

Ich habe eine sehr eigene Definition für das Ding »Weblog«, meine Desillusionierung hängt eng mit meiner Vorstellung von einem Weblog zusammen. Mit den meisten gebräuchlichen Definitionen kann ich ja kaum etwas anfangen, die Versuche einer Zuordnung zu Bekanntem sind mir unangenehm, auch ich selbst mache das natürlich so, geht ja nicht anders, aber vergleichbare Medien z.B. sind mir vollkommen egal (Weblogs und Journalismus etc.). Ich halte Weblogs vor allem für eines: Spaziergänge.

Ich stelle mir immer vor, dass man (von mir aus: Autor/Autorin) mit jemandem (von mir aus: Leser/Leserin) spazieren geht, von mir aus auch händchenhaltend, was weiß ich, »Schau mal, da drüben, wie schön!« Kleinigkeiten aussprechen, Dinge, die nicht zwingend einen Dialog begründen, Auffälligkeiten formulieren, Streifzüge unternehmen und Beobachtungen und Erlebnisse mitteilen, die in kaum ein »normales« Gespräch passen würden, vielleicht am ehesten in ein Gespräch mit einem lieben und wichtigen Menschen, »Unwichtigkeiten«, Assoziationen aussprechen, so abstrus sie auch sein mögen, all dies in einer zutiefst angenehmen Grund- und Zusammenhanglosigkeit. Kommunizierte Seitengänge des Denkens sozusagen. Komm mit, ich zeig Dir mal ein paar der Gedanken, die da hinten in der Ecke liegen; so ähnlich zumindest, kann das nicht gut erklären, wie ich gerade erkennen muss.

Eigentlich ist das eine sehr Enge Definition von einem »Weblog« – kein Anspruch auf eine Wahrheit für alle, meine ist es – und viele der bekannten Weblogs fallen nicht darunter sondern sind dann für mich etwas anderes.

Ausgehend von dieser Definition jedenfalls erlebe ich an mir eine Erwartungshaltung, besser: eine Hoffnung, so ein romantisches Ding von der Existenz verwandter Seelen. Warum gerade das jetzt durch die Erkenntnis sabotiert wird, dass es vorwiegend »Profis« sind, deren »Spaziergänge« mir so gut gefallen, kann ich gar nicht genau sagen, muss ich weiter drüber nachdenken, hat vielleicht mit einer Furcht zu tun, vielleicht auch einem Misstrauen, dass es eben diese Menschen sind, die ja in der Lage sind, einen »Eindruck« zu erzeugen.

Schreiben als Existenzweise. Das finde ich wunderschön, macht mich traurig, aber auch das ist ein persönliches Ding.

Viele Wörter, keine Erklärung. Tut mir leid, besser geht’s heute nicht.
link  


"Kleinigkeiten aussprechen, Auffälligkeiten formulieren, Streifzüge unternehmen - all dies in einer zutiefst angenehmen Grund- und Zusammenhanglosigkeit."

das haben sie sehr schön gesagt! ich fühle mich geistig angenehm angerührt.
link  


am 29.12.03 18:04  kommentierte stattkatze: 

just thinking out loud

was ich nie verstehe. verstanden habe. diesen drang zu systematisieren. klassifizieren. weblogs. bücher. einkaufszettel. sind letztlich doch nur buchstaben. und buchstaben sind buchstaben. zeichen. leerzeichen. egal, wie sie entstehen. feder, tinte, schreibmaschine, antville, blogger, homepage, sms. was daraus wird, machen die leser. geschichten. strandlektüre. wegweiser. begleiter. ratgeber. dinnerparty. bedrucktes toilettenpapier. dachte ich immer. ist das nicht so? und ist es nicht vollkommen irrelevant, wo ich etwas finde, das mich anspricht. und was das ist. das zu mir spricht. mit mir spricht?

es gibt einkaufszettel, die man ein leben lang aufhebt. und bücher, die man nach zwei sätzen wegwirft. oder verschenkt. weil es immer jemandem gibt, dem so etwas gefällt. der so etwas braucht. könnte das nicht so mit weblogs sein. so einfach? ohne jeden dissertationsanspruch?

ist das internet geschützter weißraum? artenschutz?
für wen? und von wem?
link


oh you. gerade an Dich gedacht, ohne jeden anlass.
link  


vielleicht, weil es einfach etwas neues ist. habe das gestern abend gemerkt, wo ich versucht habe zu beschreiben, was (m)ein weblog ist und was nicht, man vergleicht, grenzt ab. der dissertationsanspruch kommt, wenn der wettbewerb kommt, der das vergleichen befördert. anstatt sich einfach zu freuen wird auf die brust getrommelt. langweilig.
link  


Innovation Weblog

Neulich meinte ein bloggender Freund am Telefon, das sei wohl nach der Erfindung des Telefons ganz ähnlich gewesen: Welche neuen Möglichkeiten bietet das Telefon, wann ist sein Einsatz angemessen, wie telefoniert man richtig.... Und dann die Enthusiasten und Missionare einerseits und die Skeptiker und Weltuntergängler andererseits....
link  


hihi, allen voran die sozialklempner, die die authentische begegnung von mensch zu mensch, ehrlich du, verschwinden sehen.
sagte wohl mal dr. padeluun: erst reisen die daten, dann die menschen.
link  


Jemand

sagte mal, es gebe keine neue Musik mehr, weil alle Kombinationsmöglichkeiten der Töne ausgeschöpft seien. Kommt mir manchmal auch so vor. Vielleicht isses mit dem Geschriebenen ja genauso.
link  


am 01.03.05 11:38  kommentierte thinkabout

Wie das Leben

Hallo!
Ich habe Deine Gedanken mit Interesse gelesen. Ja, in Blogs ist so viel Müll zu lesen wie im Leben zu sehen. Vielleicht noch etwas mehr, weil die Anonymität die Hemmschwelle noch tiefer setzt. Aber es ist wie sonst im Internet auch: Wir wollen das Bloggen nicht missen, weil es dazwischen die Perlen zu entdecken gilt. Und die Regulative des Lebens und des Netzes spielen ja oft: Allzu Banales verliert schnell an Schwung und stirbt einen einsamen Tod im Space, anderes Entdecktes halten wir fest und giessen wir wie eine Blume. Und die Buschtrommel funktioniert im Internet sehr gut - auch für gute Projekte.
Thinkabout
link