don alphonso, 5. Januar 2004 18:53:53 MEZ

Warum Sie nie ein Buch machen werden.

Seit 2 Tagen geht nun das lustige Treiben wegen unseres Buches. Es macht schon Spass zu sehen, dass viele der Kombattanten schon mal gesagt haben: Mensch, so ein Buch über Blogs, das sollte man doch mal, und so, und ich könnte das doch. Nicht alle, versteht sich, aber manche. Erlauben Sie dazu ein paar Hinweise und Erläuterungen, nur für diejenigen, die sich mit dieser Idee beschäftigen. (Fortsetzung Kommentar)
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am 05.01.04 18:55  kommentierte don alphonso

Man ist nach meiner Beobachtung recht von oben herab, hier, hält Internet für ein ideales Medium, aber innendrin würden viele doch gern ihren Namen auf dem Rücken eines Buches sehen – was ich sehr gut verstehe... Die Ergebnisse konnte ich auf der Buchmesse in Frankfurt erleben. Der Literat Don Alphonso kennt viele Agenten, Lektoren und PR-Personal, das dort die ganzen Irren mit ihren Manuskripten abfangen muss. Nachdem ich selbst ein Autor aus dem Netz bin, wurde ich sehr oft gefragt, was das mit diesen Blogs auf sich hat, das einige Leute den Verlagen angeboten haben. Ich weiss also von fast einem Dutzend Leuten oder Teams, die Bücher rund um das Thema im Gepäck hatten.

Keiner von denen hatte eine Chance. Der Markt gilt für jeden Aspekt jenseits der Technik als viel zu klein und zu heterogen. Meines Erachtens ist das nicht richtig; es gibt fraglos eine Reihe von Zielgruppen für Bücher aus der "Blogosphäre". Aber das muss man einem Verleger erst mal schlüssig erklären - wer das nicht kann, hat keine Chance. Verleger und Lektorat wiederum müssen es selbst so geil finden, dass auch sie die Vertreter wiederum begeistern können. Es muss ein positiver Flow da sein, sonst geht´s nicht. Gerade die oft anzutreffende Weltentsagungshaltung in Blogs, dass es ja so unwichtig ist, wirkt da höchst bremsend.

Dass es durchaus geht, beweist übrigens jetzt.de: Die bringen ihre Autoren regelmässig in Bücher, ganz normal und ganz ohne den angeblichen Hype. Aber die Blogosphäre? Ausser Lyssa? Fehlanzeige. Und der Grund? Weil die meisten Verlagsmenschen nach einem Blick in die Blogosphäre den Eindruck haben, dass die Hauptbetätigung Flame Wars, Dissen, Beleidigungen, Arroganz und Grössenwahn sind. Qualität, so dass man sie wirklich in die fraglos anderen Bedürfnisse des Medium Buch einpassen kann, muss man dagegen lange suchen. Diese Leute sind, vorsichtig gesagt, einen anderen Umgangston gewöhnt. Und fürs Suchen haben die keine Zeit.

Aber selbst wenn sie Qualität finden, ist in diesem Geschäft Konflikt nur ab einer Auflage von 100.000 lohnend. Erst dann bringt es Publicity. Alles andere, so Flames wie hier, fallen durch den medialen Rost, da mag man die debatte noch so ernst nehmen. Aber es ergibt eine giftige Atmosphäre. Verlage schauen zuerst mal nach, was sich im Umfeld des Buches so tut. Was die Leute sagen, wie es ankommt. In unserem Fall war das so, dass der Verlag die Verantwortlichkeit an uns als Herausgeber abgetreten hat, weil sich dort niemand mit den negativen Erscheinungen des Umfelds abgeben möchte - ich kann es verstehen. Für jede klassische Öffentlichkeitsarbeit wäre das hier im Netz eine Katastrophe, und da braucht es eben Leute vorn dran, die sich ihrer Haut zu erwehren wissen.

Aber das ist nur die eine Seite. Selbstreferenzielle Geschichten wie Blogawards, Blogwart oder diese hier sind ideal, wenn es um das Vergraulen von Interessenten jenseits des Ghettos der selbsternannten Superblogger geht. Ich vermute mal, dass der besonders im Antville-Umfeld gepflegte Stil a la Heise-Flame einer der Gründe ist, warum sich Newbies bei jetzt, blogger, 20six, livejournal und diary-z so wohl fühlen, und dort ihr eigenes Ding machen. Und da kann hier krakeelt werden, bis die Tastatur platzt: Das sind viele. Mehr als antville. Und die wollen wahrscheinlich auch was gutes schreiben. Das sind überraschend aufgeschlossene Leute, mit denen kann man reden, denen kann man vielleicht spielerisch und schön zeigen: Guck mal, es gibt dies und jenes, was Du tust hat eine gewisse Bedeutung, es gibt keine Medienmonopole mehr, mit jedem Posting verändert sich die Wahrnehmung für Dich und Deine Leser. Oder überleg mal, ob nicht auch so eine Schreibe was für Dich wäre. Das ist nämlich etwas, was ich ganz erheblich vermisse, dieses hin und wieder mal ein nettes Wort, oder ein wirklich gut gemeinter Tip.

Und nach draussen kann man zeigen: Guckt mal, was es an neuen Gesichtern und Geschichten hier in den Blogs gibt. Sie sind gut, im Netz und im Buch, und Qualität hat mit dem Medium nichts zu tun, aber das Netz ist eine grossartige Sache, diese Qualitäten zu entwickeln. Man kann Menschen nur dort abholen, wo sie sind. So geht das mit dem Buch.

So wie hier in letzter Zeit geht es nicht. Deshalb mag das hier für Sie ja durchaus unterhaltsam sein, aber ich garantiere Ihnen: Kein Verleger, der die letzten Texte hier liest, wird mit Ihnen ein Buch zum Thema Blog machen. Wahrscheinlich noch nicht mal zu irgendwas anderem. Verlagsleute sind ganz scheues Wild. Wieso sollte sich ein Verleger Typen ans Bein hängen, die instinktiv losgeifern und das Thema, um das es geht, augenblicklich schlecht machen? Wer will sich mit solchen, mit Verlaub, nörgelnden Autoren abgeben, die selbst aber nichts konstruktives beizutragen haben, oder sich bestenfalls in ihre Metadiskussionen für 3, 4 Freunde verkrümeln? Und bei dessen Buch jeder andere auch erst mal so einen Zinnober veranstaltet? Wer bitte braucht sowas, noch dazu, wenn es um so ein spezifisches Thema geht?

Und deshalb sage ich Ihnen - mit Verlaub, nicht persönlich zu nehmen und nichts für ungut: Von denen, die sich für die grossen Zampanos halten und denken, das Buch da machen die Falschen und sie wissen, was abgeht - Sie alle werden jenseits eines Book on Demands niemand finden, der Ihnen eine ISBN-Nummer gibt.

Und das hier, diese hier anhebende Debatte, findet jeder Lektor - denken Sie vielleicht auch mal an Ihre Aussenwirkung? Nein? Auch gut.

Also los, fangen Sie an:
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aber gerne...

ich kenne Sie ja nicht besonders, aber ich möchte es mal so sagen: es erstaunt mich etwas, dass sie sich hier zum papst für höflichkeitsformeln ernennen. was ich z.b. von herrn chuzpe schon zu lesen bekam würde mich nicht unbedingt dazu ermuntern, irgendetwas mit ihnen auf die beine zu stellen. und provokation ist ja bei ihnen schon ganz ok, soweit sie der sache dient. aber das hatten wir ja schon mal...

[ja, ich schon wieder mit meinen ethikvorstellungen, ich weiß...]
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Ich möchte behaupten, dass mich nur sehr wenige auch nur ansatzweise kennen. Wenn Sie chuzpe ansprechen, dürfte Ihnen klar sein, dass da mit Papsttum wenig, ja ich möchte sagen nichts zu wollen ist.

Ob es sie ermuntert, wage ich nicht zu beurteilen, aber solange Sie Texte meiner Person ausgiebig auf Ihrer Site zitieren - es wohl also nicht gänzlich ablehnen, nachdem es ein programmatisch-provokativer Rebellmarkt-Text über das Bloggen war - nehme ich es mit gewissem Schulterzucken der Uneinordbarkeit zur Kenntnis. Oder reflektieren Sie über Chaosradio?
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sehen Sie

sie denken an effizienz, ich an etwas anderes.
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Ich fürchte, Herr Alphonso, Sie haben sich eben selbst erlegt:

Man ist nach meiner Beobachtung recht von oben herab, hier, hält Internet für ein ideales Medium, aber innendrin würden viele doch gern ihren Namen auf dem Rücken eines Buches sehen

[...]

Von denen, die sich für die grossen Zampanos halten und denken, das Buch da machen die Falschen und sie wissen, was abgeht - Sie alle werden jenseits eines Book on Demands niemand finden, der Ihnen eine ISBN-Nummer gibt.
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Ihre Befürchtung darf ich Ihnen abnehmen:

Ich habe nun schon die entsprechenden Nummern jenseits von BOD, und trotz meiner häufigen Besuche im Netz bin ich ein grosser Freund von Büchern. Beides hat, jeweils für sich, seinen grossen Reiz.

Frau Anneke, ich denke nicht nur an Effizienz, ich denke im Moment an Kommunikation. Woran denken Sie?
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lustig, auf welchem level

auch immer!
ich werde hier gehackt...
bla bla
kann sein, da will mir jemand sagen, diese debatte is unwichtig.
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Ich bin ebenfalls der Meinung, dass diese Debatte nur etwas für speziell Interessierte ist und allenfalls einen kleinen Teil der Gesamtthematik abdeckt. Nichts desto trotz schien es mir an der Zeit, meine Gedanken eben jener Gruppe mitzuteilen.

Es liegt mir fern, jemanden aufzurufen, sich damit zu beschäftigen.
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am 05.01.04 20:09  kommentierte xyll

kennen Sie eigentlich die Szene in Night on Earth, in der Wynona Rider sagt: "I wanna be a mechanic"?
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Nein, aber ich kenne "Reality bites", wo eine gewisse Winona Ryder (!) in der Rolle der Leleina sagt: "Try for once in your life do something about it! But you know what, you better do it now and you better do it fast because the world doesn’t owe you any favors."

Sie sieht dabei sehr schön aus. Schön und verzweifelt.
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am 05.01.04 20:14  kommentierte don luc

Warum ich nie ein Buch machen werde.

Weil ich Hefte mache. Wenn. Oder Internet.

Ich war mal im Multimedia-Jahrbuch, war mir auch peinlich.

Nein, nichts gegen Ihr Buch, das ist egal, es geht doch um "wie wichtig sind Weblogs". Das haben Sie nach meinem Dafürhalten falsch heraus gelesen.
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Es war ganz bewusst nicht auf spezielle Personen oder auf einen einzigen älteren Thread gemünzt. Nur als meine Meinung zur oft diskutierten Frage zu verstehen, wie das mit den Büchern ist. Das Thema der Flames spielt dabei keine Rolle, es sind die Flames an sich, und ihre Wirkung.

Ich bin als Medienmacher in der Frage der Wichtigkeit anderer Meinung als Sie, aber das ist off topic und das würde ich an dieser Stelle nicht ausführen wollen. Eigentlich noch nicht mal im Internet, denn dafür muss man das Thema in seiner Komplexität sehr umfassend behandeln. Internet gelangt dabei an seine Grenzen. Das geht nun wirklich nur mit einem Buch, wo man die Faktoren betrachtet, analysiert, ihre Wechselwirkung studiert und dann zu einem Schluss kommt, den Menschen mit anderer Auffassung aus der Herleitung dennoch nachvollziehen können.

War´s schwer zu lsen? Eben darum: Buch.
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Mag ja sein, dass die große, weite Welt der Verlage so denkt und lebt. Doch, doch, ganz sicher so gar. Ich war lange genug in der Musikindustrie, warum sollte die Verlagwirtschaft anders funktionieren. Aber - hey - sowas, da kommt doch im Februar ein Buch auf dem Markt, dass aus einem Forum zusammengeschnibbelt wurde, in dem Flames, gegenseitiges Tot-Tourettieren und sinnloses Gebrabbel zum guten Ton gehören. Und doch hat sich ein Verlag gefunden

Man kann die Grundhaltung haben, dass man alles so machen muss, wie es einem die Verlage vorschreiben. Wie eine imaginäre "Öffentlichlichkeit" Bücher und Literatur empfindet um sich nach einem Kanon zu richten. Da ist nix schlimmes dran, und für dieses Projekt ist das sicher gut so. Sicher, man kann darüber streiten, ob man nun dieses oder jenes Blog lieber hätte nehmen sollen. Geschmacksache, und wenn ich ein Buch mache, dann ist es eben mein Geschmack. (Zumal ich die Auswahl ok finde)

Auf der anderen Seite hängt ja auch viel von der Motivation ab, mit der man schreibt. Was ist einem wichtig? Das Schreiben? Die Visits? Die Kommentare? Und wie wichtig ist es einem, dass man seinen Name auf einem Buchrücken wiederfindet?
Natürlich schmeichelt es dem Ego, wenn man sowas in den Händen hat. Aber macht es (auch qualitativ) da einen Unterschied, ob man nun bei Eichborn, Fischer oder BOD gelandet ist? Vielleicht den, mit welchen Anspruch man ans Schreiben geht. Ist es Mittel zum Zweck das Ego zu pushen und ein paar Mark zu verdienen? Oder schreibt man, weil man dazu Lust hat? Ohne dass man etwas erreichen will. Ohne auf Visits zu schauen?

Ich kann die Frage nur für mich beantworten: Ich schreibe weil es mir Spaß macht. Weil es auch ein seelisches Ventil ist. Weil ich so Leute kennengelernt habe, die zwischen den Zeilen gelesen haben, was entdeckt haben, weil wir uns so näher gekommen sind. Ich war vor Antville lange bei blogger.com und bin deswegen hier hin gewechselt, weil ich die Antville Software praktischer gefunden habe. Und ich habe auch überlegt, ob ich die gesammelten Sachen nicht mal als Buch heraus bringen sollte. Gab sogar einen Verlag, der Interesse hatte, aber die Kontakte sind wieder eingeschlafen. Ich hab überlegt ob ich es nicht einfach als BOD rausgeben soll. Können dann die bestellen, die Interesse haben. Kann dann meine Mutter in der Nachbarschaft mit angeben.

Ob das besser oder schlechter, als der von Dir beschriebene Weg ist - keine Ahnung. Wenn Du uns den Weg der Welt da oben von der Kanzel des Medienmachers aus beschreibst, dann ist das sicher richtig so. Aber ich will niemanden an meinen Sachen genesen lassen.
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Von der Akzeptanz eines Kanon kann keine Rede sein. Es muss gut geschrieben sein, und es muss in die Form des Buch passen, sonst nichts. Ich halte den Literaturbetrieb für vollkommen korrupt und obendrein hirnfickkrank, da gibt es nichts, an was man sich halten könnte. Diese ganzen Klagenfurze aus Kritikern, Agenten und Verlegern, die am Ende die Grundkurs-Germanistikprosa der Pehnts und der Pareis auswürgen gehört abgeschafft, in den Vierwaldstädter See mit einem Gewicht von 20 Wagenladungen Ramschware an den Füssen.

Die sind mein Zielpublikum, wie der Panzer das Zielpublikum für die Bazooka ist. Nullenkritiker mit ihrem Nullengesabbel*, die kann man doch nicht mal eine halbe Stunde anschauen, ohne dass man sich fühlt, als ob man Helmut Kohls Unterhose im Hals hätte.

*Zitat Rainald Götz
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apropos Umfeld

...
Die sind mein Zielpublikum, wie der Panzer das Zielpublikum für die Bazooka ist.
..[]... als ob man Helmut Kohls Unterhose im Hals hätte.
...


Die Leutz die Ihnen die ISBN Nummer gegeben haben, wissen die davon?

;)
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Ich bin ein Autor, den man für seine besondere Art der Umweltbeurteilung schätzt, und dem seine Haltung aber nicht wirklich krumm genommen wird. Wissen doch Journalisten, dass ich nichts anderes sage als das, was sie über sich selbst auch sagen, wenn grad niemand zuschaut. Und der Literaturbetrieb ist nicht anders als das, was beim lieben Kreisler im Musikkritiker schon berichtet wird. Und generell ist ein gewisser Irrsinn kombiniert mit Verfolgungswahn im Betrieb nie ganz unangebracht. ;-)

Ich denke, die meisten in diesem Geschäft denken innendrin so. Ich denke laut, das ist alles.
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ulkig

bei ihnen ist das anders mit dem umfeld weil sie ein Author sind den man für seine besondere Art der Umweltbeurteilung schätzt ... aha.

klingt für meine schmalen geist n biserl wie die szene aus "the life of brain" wo der ankläger dann zwecks beschreibung selbst "jehova" sagt und gesteinigt wird.

:)
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